Kapitel 7: Ende eines Traumes - Willkommen in der Realität

7. Ende eines Traumes – Willkommen in der Realität


Die Witwe verließ die Insel. Meine Nachbarn auch. Viele andere Residenten die ich im Laufe der Jahre kennen gelernt habe gingen. Und dies waren Leute, die keinen Mord zu beklagen hatten, keinen Überfall. Im Gegenteil, diese Menschen hatte ich in der Kategorie „erfolgreich“ gespeichert. Mitbürger mit gutem Einkommen (ehemalige Geschäftsleute die vom Ersparten bequem leben konnten, Geschäftsleute die hier erfolgreich waren). Noch immer gefiel mir die Insel. Man hat hier ein relativ freies Leben gegenüber den Vorschriften und Regeln und Zwängen die einen in Deutschland bedrücken. Man geht mal zwischendurch an den Strand. Wenn einen die Einheimischen mit ihrer Abzocke nerven, dann macht man mal ne Kurzreise ins Hinterland – wo die Welt noch in Ordnung ist. Hier leidet man nicht wie in Deutschland im kalten Winter mit Frost und Nebel. Und Sonne ist ja bekannt dafür eine positive Stimmung auf das Gemüt zu haben. Was also bewegte diese Leute zum Abreisen? Verkauf eines Hauses, oft verbunden mit Verlust. (Wenn auch Makler einem immer Gewinne versprechen.) Zurück zu dem Land, was sie einst mit Freuden verließen? Damals konnte ich es nicht verstehen.
Trotz böser Erfahrungen will man sich einen Flop nicht eingestehen. Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut, also arbeite weiter an der Erfüllung des Traumes. Durchhalten und kämpfen. So schlecht geht es einem gar nicht. Viele andere haben weniger, viel weniger.

Ich kam her um ein neues Leben aufzubauen. Hatte doch soweit auch geklappt. Aber auf dauer in Angst zu leben - das Paradies hatte man sich anders vorgestellt.


Ich blieb dennoch hier. Beruflich kam eine Veränderung. Erfolg. Gutes Leben war garantiert. Doch je mehr man in das Geschäftsleben Einblick bekommt, umso mehr realisiert man, dass man hier an einem falschen Ort lebt. Als Geschäftsmann. Als Gringo. Denn als solcher hat man jede Menge Pflichten, keinerlei Rechte. Beispiele: Man eröffnet einen Medienladen. Macht alles nach Vorschrift. Zahlt Ladenmiete, Personal ordentlich bezahlt (damit sie nicht klauen müssen, auch motiviert sind und pünktlich zur Arbeit erscheinen etc.). man handelt nur mit legaler Ware und nicht mit Raubkopien. Das Geschäft geht sehr schnell kaputt. Denn der Dominikaner braucht keinen Laden. Er kann Raubkopien auf der Straße verkaufen. Ab und an mal was an Polizisten abgeben, dann kann man unbehelligt seine Sachen „dealen“. Und das Personal reagiert auch untypisch. Der Gringo ist ja vielleicht blöd! Der zahlt einen guten Lohn, gibt das Tagesessen aus. Na der muss es ja haben. Da kann man auch mal was verschwinden lassen, merkt der Trottel bestimmt nicht. Und wieso soll ich pünktlich sein? Wieso soll ich Einsatz zeigen? Wenn der mich so gut bezahlt, dann muss ich es auch Wert sein! Also braucht er mich. Dann kann er doch froh sein wenn ich überhaupt zur Arbeit komme. Der muss doch verstehen dass ich mich erst um kranke Omas in der Familie kümmern muss und die Kinder zur Schule bringe, danach die Arbeit.

Tja, und der Gringo lernt auch schnell: Mache Geschäfte, aber arbeite selber. Mit Angestellten hat man nur Ärger. Der Dominikaner als Chef kann sich Frechheiten erlauben. Als Gringo bist Du sofort vor Gericht! Zahle Liquidation. Zahle mehr als nötig, denn der Angestellte machte falsche Angaben. Doch beweise das Gegenteil. Und wenn Du es beweisen kannst, dann sei Dir sicher: der Richter glaubt mal erst dem Einheimischen.


Ich lüge? Ich träume? Dann möge man mich bitte aufwecken! Es ist Fakt! Erst vor kurzem stand ein großer Artikel in der führenden Tageszeitung Listin Diario. Investoren und speziell die aus dem Ausland genießen keinen Schutz. Sie haben keine Rechte. Man missachtet Ihre Rechte. Wenn dem nicht ein Ende bereitet wird, dann werden Investoren das Land wieder verlassen. Neue werden weniger zahlreich nachströmen. Und sogar die Botschaften verschiedener Länder wollen etwas tun. Na ja, mögen sie schreiben und reden. Wie immer wird es große Versprechen geben. Und das Versprechen kann man doppelt deuten. „Versprechen“ kann man sich mal. Es wird nachher doch wieder nichts eingehalten. Kennt man doch. Gesetze gibt es, keiner hält sich daran. Was man anfangs als „Freiheit“ empfand wird mehr und mehr zur Falle.


Recht und soziale Sicherheit genießt man hier nicht. Und viele kamen hier ins Land. Kauften Häuser oder Grundstücke, Geschäfte. Und sie wurden aufs übelste betrogen. Der Aufschrei: DAS KANN DER DOCH NICHT MACHEN!!! ICH GEHE ZUM ANWALT!
Und dann verliert der neue Resident den letzten Rest seines Geldes. Denn er wird nach dem Urteil gelernt haben. Doch, der Andere konnte!

Und sein eigener Anwalt hat ihn an die Gegenseite verkauft. Und nun steht der arme Kerl da. Um eine teure Erfahrung reicher, um einen guten Batzen Geld ärmer. Früher fuhren die Gringos dicke Autos und die Anwälte nahmen einen Motoconcho. Heute fahren die Gringos abgewrackte Autos, der Anwalt den dicken Jeep, neuestes Modell, alle Extras. Ein Artikel in der Tageszeitung wird nichts ändern. Nichts ist älter als die Zeitung von gestern.

Im Geschäftsleben erfahre ich viele Dinge, habe viele Einblicke. Es gab viele
Versprechungen, nicht nur von einer Regierung. Nachher ist vieles doch ganz anders. Bis hin zu unbezahlten Rechnungen. Ich habe erlebt, wie hohe Politiker einer Provinz klauen, jedoch geschützt sind. Der ist nämlich Dominikaner, kein Gringo. Wie Dominikaner mit eindeutig gefälschten Dokumenten einen Gringo vor Gericht ziehen und Recht bekommen. Der Richter verschließt gern die Augen vor der Realität. Korruption ist ja ganz schön, doch in dem hiesigen Maße unerträglich. Zolleinfuhren. Man erkundigt sich, bekommt alle Infos schriftlich. Klare Berechnungen der Zollgebühren. Doch wenn der Container da ist, dann kommen neue Berechnungen. Man hat neue Grundlagen, man hat falsch gerechnet vorher… Die Begründungen ändern sich, es bleibt nur eines gleich: man zahlt. Und nun weiß ich, warum die Residenten der Rubrik „erfolgreich“ auch gegangen sind. Sie waren es müde gegen Windmühlen zu kämpfen. Es gibt keinen Schutz, kein Recht. Man muss sich durchwurschteln, man muss schmieren. Und begibt sich aufs Glatteis. Man wird erpressbar.


Wenn z.B. ein dominikanischer Steuerberater seine eigenen Kunden erpresst. Mehr Geld vom Kunden verlangt und erwähnt: zahle, denn ich habe alle Daten! Und dann mache ich Anzeige und Du zahlst Steuern nach! Kein Wort darüber, dass er als Berater eigentlich Unterlagen fälschte. Am Ende ist der Kunde der Schuldige. Denn hier ist der Geschäftsinhaber verantwortlich für ALLES! Er muss sich vergewissern, dass alles seine Richtigkeit hat. Wozu hat man dann erfahrene Spezialisten? Anwälte, Steuerberater, Zollagenten? Ganz einfach: ohne diese Helfer wäre man als Gringo komplett aufgeschmissen und zahlt noch mehr.

Ich weiß heute nur folgendes: Viel Glück begleitete mich auf meinen Pfaden hier in der DomRep.
Mache keine Geschäfte hier. Erwerbe kein Eigentum! Wohne zur Miete. Das hält einen nicht fest gebunden, kann jeder Zeit umziehen und den Ort wechseln. Kein Ärger mit schlechter Bausubstanz. Entweder der Vermieter bessert was aus, oder man zieht aus. Kleinere Dinge wie Auto/TV/Kühlschrank/Herd kann man noch schnell absetzen, obwohl jeder der wieder „auswandert“ auch feststellt: wie Aasgeier lauern die Residenten über dem Verkäufer. Kein Angebot. Je näher das Abreisedatum rückt, je schneller sinkt der Preis. Also sollte man notfalls Dinge lagern können bei einer Vertrauensperson. Sonst kann man gleich alles verschenken.


Und Geschäfte macht man irgendwo in der Welt. Aber nicht in diesem Land. Eine einfache Sache. Denn um ein Geschäft erfolgreich zu führen bedarf es gewisser Fixpunkte. An diesen kann man ein Geschäft berechnen, genau kalkulieren. Doch diese Fixpunkte hat man nicht hier. Hier kann man sich auf die getroffenen Vereinbarungen nie verlassen. Ob Lieferfrist, Zoll, Gebühren… nachher kommt es anders. Und letztlich der große Unbekannte. Nämlich der Kunde. Zahlungsmoral gegenüber Gringos ist als sehr schlecht einzustufen.
Höre aber immer wieder: ICH habe keine Probleme. ICH kenne mich aus. Na ja, ich glaube auch noch an Elfen und Einhörner. Geschäfte machen heißt hier: gute Beziehungen haben, gutes Geld mitzubringen, Verluste verschmerzen zu können. Und immer bereit zu sein tägliche Probleme zu bekämpfen.

Als man damals zu mir sagte: „Sei vorsichtig, es gehen mehr als kommen!“, da habe ich gelacht. Ich gehöre zu den 5% die es schaffen. Ich habe es geschafft. Und statt sich zufrieden in die Hängematte zu legen fühlt man nur Unzufriedenheit und Müdigkeit. Diesen Zustand kann man ändern. Ich habe viele gehen sehen. Und ich sehe viele die nicht gehen können. Es mag einige „Auswanderer“ geben die sich hier in Zukunft wohl fühlen werden. Aber ich halte auch eine Wette: es dauert nicht lange und es werden ihnen viele Dinge fehlen. Da rede ich nicht von Sahneheringen oder Nutella. Das gibt es mittlerweile an vielen Ecken zu kaufen. Aber kommen sollte nur, wer hier nicht arbeiten muss. Wer äußerst anspruchslos leben kann. Damit meine ich nicht mit Röhren-TV und Dampfradio. Die Technik hat auch hier Einzug gehalten. Man sollte sehr viel Gelassenheit mitbringen, die Fähigkeit sich ständig Problemen stellen zu können und auch Lösungen zu finden. Teilweise recht abgeschottet zu leben, mit einem sehr begrenzten Bekanntenkreis.

Meine Traumgeschichte ist zu Ende. Einige sagten es sei ein Krimi, es ist aber grausame Realität. Wenn ein Nachbar den Tod findet durch Mord, ein anderer Bekannter im Verkehr zu Tode kommt und der Todesfahrer einfach Fahrerflucht begeht (und die Polizei kein Interesse zeigt an der Aufklärung des Falles – wohl aber an der demolierten Pasola; wie gut, keine Angehörigen vor Ort – bis wer aus Deutschland eintrifft haben die Geier die Beute aufgeteilt), kann man als Schicksalsschläge bezeichnen. Doch wie gesagt, in anderen Ländern geht es einen gerechten Gang, hier einen korrupten, unkalkulierbaren.


Jedem, der den Gedanken hat sich hier niederzulassen, der möge es sich gut überlegen! Und sich immer eine Hintertür nach Deutschland offen halten. Ich weiß, man wird die Warnung in den Wind schießen, tat ich damals auch. Aber es kann dann auch keiner sagen: das wusste ich nicht!
Wie schön, dass man sich hier auf nichts verlassen kann, außer darauf: es kommt alles anders! Darum: es möge jeder unbelehrbare DR Auswanderer seine Erfahrungen sammeln und dafür zahlen. Denn auch nur aus diesen Erfahrungen lernt man, den selbst gemachten und bezahlten. Denn ganz sicher ist man schlauer als andere und hat bessere Verbindungen.

Hier sagt man zwar immer: Wir sollten mal alle das Inselchen verlassen für ein Jahr, dann würde der Dominikaner wissen was er selber kann und wozu er „Investoren“ oder „Residenten“ braucht. Dann würde er uns besser behandeln. Vielleicht hilft auch: weniger Zustrom an Residenten/Investoren. Leider wird es nicht so sein, dass weiß ich. Denn man denkt nie im Voraus, man reagiert auf Gegebenheiten. Und wenn keiner mehr mit Frischgeld kommt, dann wird man die hier gebliebenen enteignen oder vertreiben. Südafrika lässt grüßen! Es ist einfach eine Schande. Wenn man nur bis zum Abend denken kann und der nächste Tag mit einer Neuprogrammierung beginnen muss, weil alles wieder verlernt wurde.

Leider finden die wenigsten nach ihrer teuren erfahrung "Dominikanische Republik"  einen Weg in ein anderes zivilisiertes Auswanderungsland, die Geldreserven sind meistens weg. Und so sieht man sich wieder in der realität zurück - im "alten - neuen" Heimatland.

Machen Sie es gleich richtig !  Später - ist es zu spät.