







Bisher war alles gut verlaufen. Zwar sind 3 Jobwechsel und 3 Umzüge im ersten Halbjahr nicht unbedingt als normal zu bezeichnen, aber es war doch jedes Mal eine Verbesserung. Da lässt sich so was ertragen. Nun also sollte ich nach Punta Cana. Ich war wenig begeistert, denn hier im Norden wusste ich: ich habe eine Traumvilla zu einem Knüllerpreis. Ich habe einen Job der mich leben ließ. Und ich wusste anhand der gesammelten Infos: Punta Cana hat mehr Wärme und weniger Wind. Und hier oben fand ich es schon warm genug.
Mittlerweile war Sommer und ich schwitzte wie verrückt. Die Füße dick. Mosquitos fanden mich besonders schmackhaft. Zwar hatte ich mich auch bei einem Arzt erkundigt diesbezüglich, doch der gab Entwarnung. Das Blut würde dünner werden mit der Zeit, dann schwellen die Füße nicht mehr so an. An die Mückenstiche gewöhne sich der Körper mit der Zeit und die Reaktionen (Quaddeln) würden weniger werden. Er behielt Unrecht. Die Mücken lieben mich noch heute – und mein Körper hat sich nie daran gewöhnt. Das Blut wurde sogar sehr dünn. Doch heute noch schwellen bei Hitze die Füße an. Aber man ist ja auch nicht mehr der Jüngste.
Mein Chef drängte. Die Lage in Punta Cana sei dringlich, man suche dringend Deutsche! Unter Vorbehalt sagte ich zu. Behielt aber das Haus. Mein Nachbar sollte ein Auge darauf werfen, ein Gärtner sorgte dafür, dass das Grün nicht über die Dachkante wuchert. Ich zahlte eine Miete im Voraus, packte zwei Koffer und fuhr los. Mein Chef vorneweg. Bis Santo Domingo kannte ich die Strecke ja schon, aber danach kam Neuland. Jetzt sah ich das erste Mal das Karibische Meer. Immer entlang der Küste. Ich konnte nicht genug dieses wunderbare Meer ansehen. Diese Farben. Und hier waren auch mehr Palmen anzufinden als im Norden. Es ging durch La Romana. Ein Erlebnis. So ganz anders alles. Ich fragte mich immer nur, wie mein Chef sich zurecht fand. Denn nirgendwo sah ich Hinweisschilder. Na ja, vielleicht fährt er nach Kompass? Vorbei an Altos de Chavon, die Landschaft landeinwärts karg, doch das Meer ein Traum. Wir kamen an den Drehorten vorbei, wo man >Apocalypse Now< gedreht hatte. Und irgendwann nachts kamen wir durch Higuey. Kleine Pause. Nach 9 Stunden Fahrt dachte ich, wir hätten es geschafft. Aber leider… noch ne Stunde Fahrt lag vor uns. Nun sah ich nicht mehr viel, irgendwann waren wir am Ziel. Nahe Bavaro, Cabeza de Toro. Die Wohnanlage sah viel versprechend aus. Direkt am Meer gelegen, in der ersten Reihe kleine Bungalows, dahinter Apartmenthäuser. In der Nacht gab es nur eines: ins Bett.
Und als kleine Gute-Nacht-Geschichte erzählte mir mein Chef: Du teilst Dir ein 2SZ Apartment mit einem Paar. Sind auch Deutsche und sehr nett. Oha! Na auf WG war ich nicht eingestellt. Doch ich war auch zu müde um Einspruch einzulegen.
Am nächsten Morgen wachte ich als Streuselkuchen auf. Abgesehen davon war es stickig heiß, nachts kaum Abkühlung. Besichtigung und Beschnüffelung der Wohnung und der Mitbewohner. Also das Apartment war ein Neubau. Angeblich sollten Moskitonetze noch installiert werden. Soviel sei vorweg genommen: diese bauliche Maßnahme erlebte ich nicht.
Es gab nur ein Badezimmer. Und wir waren zu dritt. Na ja. Morgens also Stau einkalkulieren. Die Küche jedenfalls war groß, ebenfalls das Wohnzimmer und Esszimmer. Platz war genug da, eine kleine Terrasse mit Meerblick hatten wir auch. Nun zur Arbeit. Am Cabeza de Toro gab es kaum Hotels. Was gab es da überhaupt, abgesehen von einem Traumstrand? Der sogar einen Bildband ziert? Nichts. Kleine Colmados, hinter den Hotels ein paar armselige Hütten.
Oh je. Wo war ich hier gelandet?
Die Arbeit im Hotel war ein Erfolg. Tolles Hotel, tolle Gäste. Doch abends langweilte man sich zu Tode. An der Hurrikan George Bar gab es jeden Abend Bier bis zum Umfallen. Es war schön. Direkt am Meer, unter Palmen. Doch die Mücken dort eine Plage. Nicht weit hinten im Land eine riesige Lagune, sie produzierte Mücken im Übermaß. Alle zwei Tage kam ein „Kammerjäger“ und sprühte in der Wohnanlage, im Garten. Wenn er weg war lagen auf dem Terrassenboden zig Mücken, wie gesät. Zusätzlich hatten wir Rauchspiralen gekauft. Stanken wie die Pest und sicher auch nicht gut für die Gesundheit, aber es war notwendig. Das Fenster musst ich nachts öffnen, sonst wurde es zu stickig. Und die Spirale ins Fenster. Leider brannte die nicht die ganze Nacht. Aber am nächsten Morgen brannten meine neuen Einstiche. Die Viecher waren gefährlich, die Einstiche entzündeten sich leicht, die Flecken habe ich noch heute an den Beinen. Nein, soviel stand fest, hier werde ich nicht bleiben. Gespräch mit meinem Chef. Er riet mir, ich solle mir ein Haus suchen, in Otrabanda seien Häuser zu haben, nicht teurer als 6000 RDS. Das waren fast 500 Euro damals. Jedoch kosteten in Punta Cana / Bavaro Häuser 800 USD und mehr, Apartments (2-3SZ) ebenfalls ab 800 USD!. Auf nach Otrabanda. Es sei erwähnt, es war fast 40 min Autofahrt vom Hotel. Also jeden Tag gute 1,5 Stunden Fahrt. In Otrabanda erkundigte ich mich nach Häusern zur Miete. Es gab einige. Aber sie hatten alle eines gemeinsam: einfachste Bauweise. Zinkdach auf Holzgestell, darunter der einfache Blocksteinbau. Natürlich kein dichter Abschluss, also Ungeziefer aller Art finden Zugang. Manche Häuser hatten auch nur einen Zementestrich als Bodenbelag. Und klar: in jedem Bad sah ich immer nur einen Wasserhahn. Man klärte mich auf: in diesen heißen Gegenden brauche man kein Warmwasser. Man habe diese Wasserbehälter auf dem Dach, in schwarz. Das Wasser sei warm genug. NA KLAR! Also Zementboden, fließend kaltes Wasser, ein zugiges Dach. Und für so ne Hütte sollte ich das gleiche zahlen wie für die Villa im Norden? Mit 4 SZ, 4 Bädern? Pool, Garten…nenene, nicht doch. Aber ein Blick noch auf den Ort werfen. Da gab es nicht viel zu sehen. Also noch mal schnell bis Higuey fahren. Kollegen hatten mir einen Einkaufszettel gegeben. Denn abgesehen von absolut überzogenen Preisen in Bavaro – es gab auch kaum was. Schon gar kein vernünftiges Brot, keine Importartikel. Die Flasche Bier im Colmado kostete glatt 1 Euro mehr als in der Tourismushochburg Sosua. Das kann es doch nicht sein. In Higuey sah ich bisher die dreckigste Stadt der ganzen Insel. Und keinen gescheiten Supermarkt. Gut, machen wir auf Kultur. Irgendwo ist doch hier diese berühmte Basilika. Wallfahrtsort. Und so viel Dreck. Als ich die Kirche gefunden hatte war ich wieder geschockt. Selten hatte ich eine so hässliche Kirche gesehen. Weder innen noch außen auch nur ein Ansatz von Anmut, Schönheit, Verzierungen waren die Abdrücke der Verschalungsbretter im Beton. Also wenn man so zurückdenkt wie viele schöne Kirchen es in Deutschland gab, in Spanien oder Italien. Nein, eine einfache Dorfkapelle hat mehr Charme als dieser Betonklotz.
Auf der Rückfahrt hatte ich genügend Zeit mir meine Worte zurecht zu legen. Kaum angekommen ging ich gleich zu meinem Vorgesetzten. Sorry Sir, wenn die 4 Wochen um sind, dann gehe ich. Erstaunen in seinen Augen! Ich sei doch nicht ganz gescheit! Ich würde doch hier der beste Mann sein! Viel Geld verdienen! Hier ist man nicht um zu leben, hier macht man Geld! Aha. Na dann. Es stimmte zwar, ich hatte noch nie so viel Geld verdient auf der Insel wie hier in Punta Cana. Aber was nutzt eine Mehreinnahme, wenn auch alle anderen Dinge sehr viel teurer sind? Wenn ich aber nicht den gleichen Gegenwert bekomme. Weder gescheite Lebensmittel, gescheite Unterkunft. In unserem Badezimmer vielen ganze Putzstücke aus der Decke. Der Bau war eine Fehlplanung. Keine Lüftung, zu feucht. Gut, mit den Mitbewohnern hatte ich Glück. Der Mann ein netter Kerl. Die Frau konnte gut kochen und war auch eine Arbeitskollegin. Doch nur 2 Bekannte ist arg wenig, nur eine Kneipe – auch nicht der Hit. Der Strand gefiel mir, es war wunderschön am Strand. Aber im Hinterland nur Dürre. Keine Berge, nichts grünes. Dafür diese Plagegeister. Mein Chef zahlte für 2 weitere Wochen die Miete und drängte darauf ich solle mir endlich was zu wohnen suchen. Ich könne auch in der Anlage bleiben, das Apartment kostet 600 USD! Als die Zeit um wahr, übergab ich einem verdutzt dreinschauenden Chefe die Schlüssel. Zornig wurde er, als meine Mitbewohner ihm ebenfalls kündigten. Ich hatte sie überzeugt, dass man im Norden günstiger wohnt und besser lebt, wenn auch weniger verdient. Es war eine abenteuerliche Rückreise. Es war eine typisch dominikanische Umzugsfahrt. Am Auto wurde alles befestigt was dieses Paar hatte. Im Kofferraum die Pasola, daneben irgendwie Koffer, Waschmaschine. Es war Wahnsinn. Aber wir waren ein nettes Team und ich hatte ihnen angeboten bei mir zu wohnen. Schließlich war das Haus riesig und 2 Schlafzimmer mit Bädern waren als Anbau / Gästehaus konzipiert. Sie waren nicht lange meine Mitbewohner, denn hoch oben auf dem Berg, ohne Auto – keine Chance. Sie mussten sich was im Ort suchen. (Nebenbei erwähnt: dieses Paar hat den karibischen Traum nicht zu Ende geträumt. Sie kamen nicht zurecht. Kaum Einnahmen, der Mann fand nie Arbeit (er war gelernter Anstreicher).
So wohnte ich wieder allein. Oben auf dem Berg. Ich war mittlerweile auf Dominikaner nicht mehr zu gut zu sprechen. Ich bildete mir ein, dass sie mich kennen müssten und nun endlich mal auch normale Preise aufrufen. Aber nein, es wurde immer wieder versucht. Auch das Benehmen fand ich mehr und mehr als „affenähnliches“ Verhalten. Wer mal im Zoo war und Affen beobachtet hat, weiß was ich meine. Welches andere Tier spielt sich so ausgiebig am Geschlechtsteil? Und egal wo ich hinblickte, überall mussten die Männer ihren ??? kratzen. Waschen die sich nicht? Ist das Machogehabe? Wenn es angeblich juckt weil sie sich rasieren, dann sollen sie sich öfter rasieren – ohne Stoppel kein Jucken. Noch dazu fand dieses immer mitten auf einem Weg statt. Wenn man passieren wollte, dann durfte man auf die Strasse ausweichen. Keine Rücksichtnahme, kein Entgegenkommen. Kein Benehmen. War Dir das schon mal in anderen Ländern aufgefallen? Nein. Wo war der freundliche und lebenslustige Dominikaner? Weg. Verschwunden. Als Tourist sieht man sie noch, denn dann wollen sie auch was von einem. Sich als Cityguide in Puerto Plata anbieten, irgendwas verkaufen. Dann können sie lächeln. Das Bild vom Dominikaner bekam für mich eine andere Färbung. Auch im Hotel wo ich arbeitete: diese Animateure sind ja wohl das Allerletzte. Werfen sich den Frauen derartig an den Busen. Die weibliche Belegschaft kokettiert, in Hoffnung auf doch ein bisschen Trinkgeld. Mehr und mehr nahm ich die verschiedenen Gesichter wahr. Und da ich zwar ein ruhiger Artgenosse bin, aber wiederum auch nicht bereit bin immer nachzugeben und der Zahlende zu sein, ging es auf Konfrontation. Wenn der Dominikaner nicht zur Seite ging, gut, dann mache ich mir Platz auf dem Gehsteig. Ein Rempler und ich kam durch. Bevor gemeckert werden konnte ein „Perdona me“ und das wars. Doch so konnte es nicht weitergehen. Hätte ich eine Machete gehabt, es hätte nicht viel gefehlt und ich hätte den einen oder anderen geköpft. Mein Bekannter und „Berater“ aus alten Zeiten meinte: Sieh dich vor, so kommst Du nicht weiter. Eines Tages haut Dich einer um. Du musst…. Was muss ich? Mich jeden Abend von Nutten anmachen lassen? Begreifen die kein NEIN? Endlose Debatten, und immer wieder NEIN. Und es geht dennoch weiter. Porque no?? Klar, die denken: jeder Mann in einer Bar in Sosua ist auch ein Freier. Leider gibt es in Sosua keine Bar, wo man nicht auf Nutten trifft. Und die Discos, es gab damals 4-5 die geöffnet waren – überall das gleiche Spiel. Und dann kam ich an die Bücher von Pedro. Die standen in der Auslage beim deutschen Bäcker. Erstmal Band 1. Am nächsten Tag kaufte ich Band 2. Fertig in drei Tagen. Und es war eine Befreiung. Es war lustig zu lesen, aber ich sah auch viele Parallelen. Er berichtet so nett über diese schlitzohrigen Dominikaner. Aber er schreibt auch, wie man damit klarkommen kann. Oder wie man was umgeht. Und er schrieb schonungslos auch über eigene Pannen. Welche Erlösung. Und ich dachte schon ich bin der Einzige, der hier veräppelt werden soll. Die Bücher gaben wieder Auftrieb. Ist doch ganz lustig hier.